Bildungsträger und Kulturinstitutionen

Erwachsenenbildung

Einrichtungen der Erwachsenenbildung zeichnen sich durch ihre flächendeckende Präsenz, Erfahrung im Lehren und Lernen mit Erwachsenen sowie innovativen Lehr- und Lernformen aus. Das Feld der Erwachsenenbildungseinrichtungen ist ausgesprochen heterogen und reicht von den bekannten KEBÖ 65-Verbänden (ARGE Bildungshäuser, BFI, Büchereiverband, Forum Katholischer Erwachsenenbildung, LFI, Bildungswerke, Volkswirtschaftliche Gesellschaft, Gewerkschaftliche Bildung, Volkshochschulen, WIFI) über private Anbieter bis zu innerbetrieblichen Schulungen bzw. Medien. Im Folgenden ein kleiner Überblick, ohne Anspruch auf Vollständigkeit66:

  • Arbeitsgemeinschaft der Bildungshäuser Österreichs (ARGE BHÖ), KEBÖ Mitglied
  • Berufsförderungsinstitut Österreich (BFI), KEBÖ Mitglied
  • Büchereiverband Österreichs (BVÖ), KEBÖ Mitglied
  • Forum Katholischer Erwachsenenbildung (FORUM), KEBÖ Mitglied
  • Ländliches Fortbildungsinstitut (LFI), KEBÖ Mitglied
  • Ring Österreichischer Bildungswerke (RÖBW), KEBÖ Mitglied
  • Volkswirtschaftliche Gesellschaft Österreich (VG-Ö) , KEBÖ Mitglied
  • Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung (VÖGB) , KEBÖ Mitglied
  • Verband Österreichischer Volkshochschulen, KEBÖ Mitglied
  • Weiterbildung an Bildungsinstitutionen wie Schulen, Universitäten etc.
  • Private, gewinnorientierte Anbieter (Anbieter von AMS-Schulungen, Sprachschulen/-institute, EDV-Center, Maturaschulen, freie Trainer bzw. Trainingsfirmen, auch Tanzschulen oder Fahrschulen)
  • Gemeinnützige private, Einrichtungen, die auch Weiterbildung anbieten (Literaturhaus, Kultur- und Sportvereine, Forschungsgesellschaften, etc,)
  • Neben dem Hauptgeschäft beigepackte Weiterbildung als „Zusatzangebot“ oder Serviceleistung (Baumärkte, Supermärkte, Wellnessbetriebe, Banken, etc.)
  • Beigepackte Erwachsenenbildung zur Vermittlung des eigenen Gedankengebäudes an die Mitglieder (Interessensvertretung, Berufsverbände, Parteien, Religionsgemeinschaften, ...)
  • Innerbetriebliche Aus- und Weiterbildung in Betrieben, aber auch bspw. in der freiwilligen Feuerwehr oder Rettung
  • Medien mit oder ohne gesetzlichen Bildungsauftrag (ORF, Private Medien, Bücher, Internet, Lernsoftware,...)

Bildungshäuser

Bildungshäuser bringen erhebliche Potentiale in LERNENDE REGIONEN ein:

  • als mögliche räumliche Zentren der Abwicklung der LERNENDEN REGION
  • als räumliche Knotenpunkte und Begegnungsstätten in der Region
  • als „Identitäts-Orte“ in der Region, die für regionale Identität und Bildung stehen
  • als Träger notwendiger Infrastruktur für Vorhaben in der LERNENDEN REGION

Wichtiger Punkt ist dabei die Verankerung eines Bildungshauses in seiner Region, sprich: seine Bekanntheit und Akzeptanz bei weiten Bevölkerungsschichten sowie der Grad der Vernetzung mit unterschiedlichen Akteursgruppen. Nachfolgend einige Beispiele für die Rolle von Bildungshäusern in LERNENDEN REGIONEN:

„Das Bildungshaus als „Haus der Region“

  • Ausbildungsinitiativen in der Region: Qualifizierungsmaßnahmen u. -programme (AMS), - verbünde,
  • Standort zur Abwicklung von Projekten zu Regionsthemen (Geschichte, Kultur, Wirtschaft, ...)
  • Regionalentwicklung mit der Bevölkerung (Zukunftswerkstätten, Open Spaces, ...)
  • Diskussionsort für regionale Themen
  • Anlaufstelle für Informationen, Vernetzung etc.

„Das Bildungshaus als Tourismusdestination“

  • Kooperation mit Tourismuseinrichtungen, LAGs: ZB regionalen Tourismusagenturen/ - verbänden, Reiseveranstaltern
  • BH als regionaler Hotelerie-Standort mit integriertem Bildungsangebot (erfordert entspr. Ausstattungsqualität der BHs --> Investoren)
  • BHs als tourismusrelevante "Stationen" und Knotenpunkte - Anknüpfen an Themen der Region durch Forcierung entspr. Bildungsangebote und Inszenierung

„Bildungshäuser als regionale Lernzentren“

  • "Kursangebote vor Ort"
  • Beratungs-, Coaching- und Informationsstrukturen
  • e-Learning / blended Learning
  • Bibliothek

„ Bildungshäuser als Zentren für regionale Initiativen“

  • Kampagnen,    Vernetzung,    Informationsarbeit,    Veranstaltungen    in    und    zwischen unterschiedlichen Bereichen, z.B. zu Wirtschaft, Umwelt, Kultur, Soziales ....

Kooperationen mit Schulen

Schulen gehören zu den wichtigsten Akteuren in LERNENDEN REGIONEN. Einerseits ergeben sich durch die Kooperation einer Schule mit außerschulischen Institutionen mannigfaltige Möglichkeiten zur Sammlung von Praxiserfahrungen für SchülerInnen. So bestehen in einigen Regionen bereits Kooperationen zwischen Schulen und der regionalen Wirtschaft im Bereich der Vermittlung von Praktika bzw. Schnupperlehre-Plätze.
Zahlreiche, vor allem höhere, Schulen bieten bereits heute Kurse im Bereich der Erwachsenenbildung an und würden sich daher gut als Partner einer LERNENDEN REGION eignen. Das muss nicht auf den wirtschaftlichen Bereich beschränkt bleiben (Praktika, „Schnupperprojekte“), sondern ist auch sinnvoll anwendbar bei Themen wie Kultur, Umwelt und Soziales. Ein Beispiel bieten die Land-Impulse Niederösterreich, die als Absolventenverband Erwachsenenbildung anbieten: http://www.landimpulse.at Andererseits stellt das Raumpotential von Schulen eine für außerschulische Zwecke gut zu nutzende Ressource dar.
Ein wichtiger Partner können Schulen bei bereichsübergreifenden regionalen Kampagnen sein, an denen sie sich mit Projekten bzw. Aktionen beteiligen. Eine Initiative zu „Nachhaltigkeit“ oder „Klimawandel“ bspw. kann gleichzeitig Projekte in Schulen, in der Erwachsenenbildung, in regionalen Medien sowie Aktionen der regionalen Geschäftsleute umfassen.
Schulen in LERNENDEN REGIONEN können auch Standorte für regionale Vernetzung sein.

Lernende Regionen und landwirtschaftliches Schulwesen

(von Mag.a Dipl.-Ing. Josefa Reiter-Stelzl, Lebensministerium)

Die elf Höheren Bundeslehranstalten für Land- und Forstwirtschaft sowie die rund 100 land- und forstwirtschaftlichen Fachschulen und die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik sind wichtige AkteurInnen für LERNENDE REGIONEN.

Großes fachliches Know how: Das fachliche Know How der Schulen liegt vor allem in den Themen Boden, Wasser, Luft, Energie und biologische Vielfalt, in den Bereichen sicherer und hochwertiger Lebensmittel und nachwachsender Rohstoffe.

Innovative Konzepte für vitale Lebensräume: Bezüglich Lebensraum werden innovative Konzepte für vitale ländliche Regionen zur Steigerung von Beschäftigung und Wertschöpfung erarbeitet. Die Kernanliegen sind die Erhaltung einer intakten Umwelt und eine nachhaltige Land- Forst und Wasser- wirtschaft, da Natur und Kultur die Basis für Lebensfreude und Lebensqualität sind. Eine ausge- wogene Berücksichtigung der sozialen, ökologischen und ökonomischen Interessen ist oberstes Ziel.

Ökonomische, ökologische und soziale Kompetenz: Die agrarischen Schulen sind diejenigen Bildungseinrichtungen, die einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt des Lebensraumes liefern, indem sie junge Menschen dazu befähigen, professionell die sozialen (Arbeitsmöglichkeiten in den Regionen, verbindliche Konventionen im sozialen Umgang) und elementaren Lebensgrundlagen (Umwelt, natürliche Ressourcen) zu erhalten und zu gestalten. Die Kernkompetenz dieser Einricht- ungen ist das Management von ökonomischen Interessen, der Schonung der Umwelt und dem Erhalt des sozialen Lebens.

Kooperation mit außerschulischen Partnern: Sehr viele Aktivitäten finden in Kooperation mit außer- schulischen PartnerInnen statt, sodass viele Schulen Kristallisationspunkte im Netzwerk der Region darstellen.

Ehrenamtlicher Bereich stark ausgeprägt: Hervorstechend ist die Mitarbeit im ehrenamtlichen Bereich. Vereine, speziell die Absolventenverbände der agrarischen Schulen, leisten einen großen Beitrag nicht nur im gesellschaftlichen Bereich sondern auch in der Fort- und Weiterbildung. Um Zukunftsorientierung zu leisten, besteht die Notwendigkeit der Land- und Forstwirtschaft, einen positiven Beitrag zu Landschaft und Umwelt zu erbringen.

Lebensgedanke ist Leitbild: Der Lebensgedanke zieht sich durch alle Bereiche und Aufgabenfelder. Folgende vier Bereiche werden übergreifend wahrgenommen: Ländlicher Raum und Nachhaltigkeit, , Wasser, Landwirtschaft und Ernährung, Umwelt und Abfallmanagement.

Gesunde Nahrungsmittel, Luft, Wasser, Erde: Die Schulen wissen sich verantwortlich für gesunde Nahrungsmittel, gesunde Luft, Wasser, Erde, Prävention gegen Selbstausbeutung der Natur, gesunde wirtschaftliche Grundlagen und funktionierende Sozialbeziehungen.

Fachliche und persönliche Schlüsselkompetenzen: Vermittelt wird ein modernes und kompetentes Bild von SpezialistInnen mit Bodenhaftung, deren Werte Sinnstiftung und Leistung sind. Es soll als Gegentrend zur Schnelllebigkeit Sicherheit im Sinne von Beständigkeit vermittelt werden.

Fundierte und berufsfeldbezogene Ausbildung: Die SchülerInnen erwerben fachliche und persönliche Schlüsselkompetenzen unter der Perspektive der Nachhaltigkeit. Ziel ist es, den SchülerInnen nicht nur Fachwissen zu vermitteln, sondern auch den entsprechenden praktischen Erfahrungshintergrund. Die vier Besonderheiten des landwirtschaftlichen Schulwesens und die Bedeutung für LERNENDE REGIONEN sind:

  1. Standort: Die landwirtschaftlichen Schulen befinden sich meist mitten in den Regionen (z.B. lfz Francisco Josephinum; lfz Raumberg-Gumpenstein; FS Obersiebenbrunn; FS Pyhra; FS Edel- hof; FS Schlierbach;....) bzw. angedockt an Bezirksstädte (FS Mistelbach; FS Gießhübl; FS Poysdorf) oder am Stadtrand von Landeshauptstädten (hlfs Elmberg; hlfs Pitzelstätten; lfz Schönbrunn). Die Vortrags- und Workshopräume.sind durchwegs nach dem neuesten technischen Stand ausgestattet (Projekte wie „Regionalität – Just lovin’ it!“ von der lfz Francisco Josephinum Wieselburg weisen darauf hin.)
  2. Lehrbetriebe: Viele Schulen verfügen über einen Lehrbetrieb und praktische Lehreinrichtungen (z. B. Pferde, Schweine, Rinder, Weinbau, Obst, Garten, Forst, Küche, Maschinen,...). Am Standort ist das jeweilige fachliche und praktische Know How vorhanden. Die Kompetenzen z.B. in der Landtechnik, Lebensmitteltechnologie, Nutztierhaltung und Grünlandwirtschaft sind für eine hochwertige Aus- und Fortbildung von großem Vorteil. Konkrete bauliche Ressourcen sind Stallungen, Praxishallen, Labors, Naturwissenschaftliche Zentren, Schlachträume, Milchverarbeitungsräume, Lehrküchen, Glashäuser, Maschinenhallen. Diese sind meist bestens ausgestattet mit Geräten. Dadurch sind Lernarrangements vernetzt mit modernen Medien möglich und nach außen kommunizierbar. So sind Lernplattformen im EDV –Bereich um zeit- und ortsunabhängig arbeiten zu können keine Seltenheit. Mit den Lehrbetrieben sind viele Bildungspakete verbunden: Pflanzenbauversuche, Wein- untersuchung incl. Beratungsgespräch, Besichtigung einer Bioenergieversuchsanlage, Obst- baumschnittkurs, Waldlehrpfad.
  3. Internat: Die an den Schulen angeschlossenen Internate sind mit großzügigen Wohneinheiten, Speiseraum und Sportanlagen ausgestattet. Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit, gemeinsame Ausflüge, miteinander Feiern, Gestaltung der Freizeit und das miteinander Wohnen führen zu einer besonderen Lebenskultur. Mit dem Internat sind viele Feste, kreative Workshops, musikalische Ereignisse, sportliche Wettkämpfe, Theateraufführungen verbunden.
  4. Die Verbindung von Forschung-, Lehre- Fort-, Weiterbildung und Beratung ist einmalig. Der Wissenstransfer ist durch die enge Verbindung von Forschung, Lehre und Lebenslangem Lernen gegeben und macht viele Schulen zu Wissensdrehscheiben.

Die Schulen befähigen ihre SchülerInnen, anspruchvolle Aufgaben in Gesellschaft und Wirtschaft verantwortungsvoll wahrzunehmen und sind die Keimzelle für lebenslanges Lernen. Durch die enge Gemeinschaft im agrarischen Schulbereich wird die Basis für ein starkes Netzwerk bei den AbsolventInnen dieser Schulen gelegt.

 

Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein (BAL) © BMLFUW/ LFZ Raumberg-Gumpenstein

Zusammenfassung

Die landwirtschaftlichen Schulen zeichnen sich durch eine hohe Qualität der Lehre in enger Ver- bindung mit Forschung und Beratung aus. Kennzeichen sind Kundenorientierung, eine hohe Praxis- nähe und funktionierende Sozialbeziehungen. Die agrarischen Schulen können somit als Bildungs- einrichtung einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt des Lebensraumes liefern und Wissensdrehscheiben für LERNENDE REGIONEN darstellen.


Prof. Maga. Dipl.-Ing. Josefa Reiter-Stelzl lehrt an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik sowie an der Universität für Bodenkultur in Wien. E-Mail: josefa.reiter-stelzl(at)lebensministerium.gv.at

Beispiele

Wald erleben, Natur begreifen
Eine Klasse der Höheren Bundeslehranstalt für Land- und Ernährungswirtschaft Elmberg (Linz) gestaltete eine Waldparzelle in einen vielfältigen Waldlehrpfad um. Ziel war es, Volksschulkindern ein Verständnis für den Lebensraum Wald und den richtigen Umgang damit zu vermitteln.

BIOLogisch

Ziel des Projektes BIOLogisch ist es, Wissen über biologische Landwirtschaft den jeweiligen Zielgruppen weiterzugeben. Das Projekt umfasst einen Einführungskurs in die biologische Landwirtschaft, einen Dokumentationsfilm über Bio-Bauernhöfe und den Einsatz effektiver Mikroorganismen in der biologischen Landwirtschaft, Kinder-Erlebnistage am Biobauernhof „Moarhof“, Verkostung von Bioprodukten und Öffentlichkeitsarbeit.

Partnerschaft Schule und Betrieb

In einem Papier hat die deutsche LERNENDE REGION Hersfeld-Rotenburg einen Überblick über die verschiedenen Formen von Partnerschaft zwischen Schule und Betrieb in deutschen LERNENDEN REGIONEN erarbeitet. Es finden sich dabei Partnerschaften mit großen Industriebetrieben, mit mittelständischen Unternehmen, aber auch mit kleinen Handwerksbetrieben. Die Netzwerke zwischen Schule und Betrieb können mit einem Verbund von Betrieben, mit einem Verein oder einer sozialen Einrichtung geschlossen werden. Es gibt Partnerschaften, die sehr eng auf mehreren Ebenen miteinander arbeiten und Partnerschaften, deren besondere Stärke in der Einmaligkeit ihrer Produkte liegt. Partnerschaften können über einen Vertrag ihre gemeinsamen Zielsetzungen zu einem Leitbild erheben, andere arbeiten weniger formal.

1. Partnerschaften mit einem Industriebetrieb

Industriebetriebe eignen sich für Partnerschaften vor allem durch ihre Größe und komplexen Betriebs- strukturen, die einen vielfältigen Blick in die Berufswelt ermöglichen.

2. Partnerschaft mit einem Handwerksbetrieb

Partnerschaften mit Handwerksbetrieben ermöglichen vor allem Einblicke in regionstypische Strukturen. Häufig steht der unmittelbare Nutzen der jeweiligen Produkte und Dienstleistungen im Vordergrund. Die meisten Handwerksbetriebe sind klein und überschaubar, wodurch auch die persön- liche Bindung stärker ist.

3. Partnerschaften für einmalige Projekte

Es gibt Partnerschaften, deren Aktivitäten aufgrund eines hohen Projektaufwands bzw. der Abhängigkeit von Personen, die nicht immer verfügbar sind, nur in größeren Zeitabständen möglich sind. Dafür ermöglichen diese Partnerschaften oft besonders intensive und umfassende Erfahrungen.

4. Partnerschaften im Verbund

Eine Möglichkeit für Schulen besteht in der Zusammenarbeit mit einem Wirtschaftsverband. Aus diesen Kooperationen ergeben sich häufig auch Praktikums- oder Ausbildungsplätze. „Die Kooperationen mehrerer Schulen und/oder mehrerer Betriebe ermöglichen ein erweitertes Spektrum an Aktivitäten und Erfahrungsmöglichkeiten. Allerdings schlägt in der Regel ein erhöhter Koordinationsaufwand zu Buche. Solche Modelle findet man in Österreich unter dem Schlagwort „Bildungscluster“ (siehe unten).

5. Kooperationen mit Vereinen

„Es gibt auch Partnerschaften mit Vereinen. Auch ehrenamtliches Engagement, zum Beispiel im Freizeitbereich, kann Zugänge zu Beruf und Arbeit herstellen und vermitteln.“ (vgl. http://www.ia-c.de/lernenderegionen/teil-bo-n5.asp )

Bildungscluster

Bildungscluster (BC) sind freiwillige Zusammenschlüsse von Unternehmen und Bildungseinrichtungen auf regionaler Ebene, die als gemeinsame Initiative unter dem Dach von Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) gegründet wurden. Ziele sind die Sicherung der Zukunftschancen junger Menschen und die Stärkung der regionalen Wirtschafts- und Bildungsstandorte in ganz Österreich. Es finden sich dabei einige Parallelen zu LERNENDEN REGIONEN, die eine Einbindung der Bildungscluster in LERNENDE REGIONEN sinnvoll erscheinen lassen.
Schulen, Unternehmen unterschiedlicher Größe, Interessensvertretungen und alle interessierten und relevanten Institutionen einer Gemeinde oder einer Region finden sich im Bildungscluster und starten ein Kooperationsnetzwerk. Regionale Veranstaltungen, z.B. eine „Kick Off“- Veranstaltung zum Start, aber auch Bildungsmessen und individuell entwickelte Events schaffen Öffentlichkeit für die Anliegen der im Bildungscluster vertretenen Schulen, Betriebe und PartnerInnen. Dabei bietet sich eine Reihe an gemeinsamen Projekten an, wie beispielsweise

  • Gegenseitige Besuche, Exkursionen und Betriebsbesichtigungen
  • Unternehmer werden „Schuldirektor für einen Tag“
  • Einladung schulexterner Fachleute als Bestandteil der Unterrichtsgestaltung
  • Transfer von unternehmerischem Know-how zur Professionalisierung des Schulauftritts (Marketing, Events etc.)
  • Ressourcensharing von Schul- und Betriebseinrichtungen
  • Gemeinsame Berufsberatungs- oder Bildungsveranstaltungen von Schulen und Firmen
  • Unternehmen laden Schulen zu „Wirtschaftsschauplätzen“
  • Schnuppertage für SchülerInnen und Lehrende in Betrieben
  • Schnuppertage für SchülerInnen in Fachhochschulen
  • Gemeinsame Projektarbeiten z.B. Maturaprojekte etc.
  • ReferentInnenpool

Die aktuelle Liste an bestehenden Bildungscluster sowie Best Practice Beispiele finden sich auf der Homepage http://www.bildungscluster.at


Kooperation mit tertiären Einrichtungen

Die Einbindung von Universitäten und Fachhochschulen bietet ein großes Potential an innovativen Themen, Lernmethoden und Wissen für die LERNENDE REGION. Es sind jedoch auch einige Besonderheiten zu beachten, damit eine solche Einbindung auch zum Erfolg wird.
Universitäten und Fachhochschulen sind überregional ausgerichtet. Die Regionen müssen daher besondere Anreize schaffen, wollen sie diese Bildungseinrichtungen einbinden.
Universitäten werden meist in den LERNENDEN REGIONEN keinen Hauptsitz haben. Trotzdem bieten sich endogene Anknüpfungspunkte. Viele Universitäten haben Außenstellen in ländlichen Gebieten. Noch häufiger haben einzelne Wissenschafter in ländlichen Regionen Forschungsstützpunkte bzw. – schwerpunkte. Ähnlich ist die Situation bei Fachhochschulen. Diese befinden sich zwar möglicherweise in der Region, ihre Themen sind jedoch meist sehr spezialisiert. Dabei besteht jedoch in der Regel ein enger Zusammenhang zwischen den Fachrichtungen und regionalen Besonderheiten.
Im Folgenden sollen einige Beispiele die mögliche Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und LERNENDEN REGIONEN aufzeigen:

Weiterbildungslehrgänge

Fachhochschulen und Universitäten ist es möglich, Weiterbildungslehrgänge (z.B. Fachhochschullehrgänge) anzubieten, die ausschließlich über Studiengebühren finanziert werden. Die Hürden zur Einrichtung solcher Lehrgänge sind relativ niedrig, womit sich die Möglichkeit eröffnet, diese Lehrgänge als Ergebnis einer Bildungsbedarfserhebung gemeinsam mit den ansässigen tertiären Bildungseinrichtungen ins Auge zu fassen.
Aus Deutschland gibt es dazu bereits erste Erfahrungen. So wurde in der LERNENDEN REGION Schwäbisch-Hall/ Ansbach das Projekt „Innovatives Produktmanagement“ durchgeführt. Dieses umfasste die Entwicklung einer berufsbegleitenden Weiterbildung zum Thema. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage    www.innovatives-produktmanagement.de sowie http://www.lernenderegion.net/arbeitsgruppen/detail.php?id=5.
Oftmals ist es auch möglich, universitäre Weiterbildungslehrgänge mit Hilfe von „Blended Learning“ Methoden in die Region zu bringen. So gelang es einigen niederösterreichischen LEADER Regionen, in der Periode 2000-2006 den Tourismuslehrgang der WU in ihrer Region anzubieten.
Am Beispiel des Universitätszentrums Rottenmann (Steiermark) lässt sich auch zeigen, dass es möglich ist, Exposituren von Universitäten in die Region zu bringen. In Rottenmann wurde von Seiten der Technischen Universität Graz und der Universität Linz ein Universitätszentrum gegründet, in dem zwei Studienrichtungen angeboten werden. Weitere Informationen: www.uzr.at

Wissensvermittlung: University meets Public, Montagsakademie

Auch ohne eigene universitäre Lehrgänge kann universitäres Wissen über öffentliche Vorträge in die Region gebracht werden. Dabei erarbeiten Universitäts- und Fachhochschullehrende eigene Vorträge mit Bezug auf ihr Forschungsfeld und referieren in lokalen Volkshochschulen, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist gering bzw. kostenlos. Auch wenn die Vorzeigeprojekte aus dem städtischen Raum kommen, ergeben sich auch für regionale Netzwerke Anknüpfungspunkte mit lokalen Fachhochschulen, Schulen oder Museen und deren ExpertInnen.

 

Besucher der Grazer Montagsakademie © Montagsakademie/ Günther Schuchlautz

Einen sehr interessanten Weg, diese Vorträge in den ländlichen Raum übertragen zu können, zeigt die Montagsakademie der Karl-Franzens-Universität Graz unter dem Motto „Bildung für ALLE durch allgemein verständliche Wissenschaft“. Mehr als 40.000 Interessierte haben bereits das kostenlose Angebot der Karl-Franzens-Universität angenommen und Einblicke in die moderne, gesellschaftlich relevante Forschung gewonnen. Der Besuch der Veranstaltungen steht allen Interessierten offen, erfordert keine Anmeldung und ist kostenlos. Seit dem Studienjahr 2002/03 wurde die Montagsakademie an 89 Abenden (jeweils Montags) an der Universität Graz abgehalten, wovon bereits 50 Vorträge seit November 2004 live per Internet in ländliche Regionen übertragen wurden. Derzeit 15 Partnereinrichtungen tragen auf diese Weise das Wissen über den Campus in drei Bundesländer hinaus. Übertragen werden die Vorträge in Bildungseinrichtungen, Technologiezentren, Vereine, Rehabilitationszentren, Banken und Firmen. Die TeilnehmerInnen in den Regionen können sich mittels Videokonferenz und Chat nach dem Vortrag aktiv in die Diskussion einschalten. Pro Vortrag fanden sich im Studienjahr 2007/08 im Schnitt 300 TeilnehmerInnen in der Aula und nochmals knapp 400 in den Regionen ein. Das Vortragsprogramm wird von einem wissenschaftlichen Leitungsteam entwickelt, organisatorisch werden die Montagsakademie und der „eMontag“ vom Zentrum für Weiterbildung der Universität Graz betreut und weiterentwickelt:
Informationen: Zentrum für Weiterbildung der Universität Graz, Mag. Christian Friedl (Projektleitung), Harrachgasse 23, 8010 Graz, Tel. +43/316/380-1104, E-Mail: montagsakademie(at)uni-graz.at, http://www.uni-graz.at/montagsakademie

 

Vortrag im Rahmen der Montagsakademie © Montagsakademie/ Thomas Neumeister

Geoline Eisenwurzen

Geoline nennt sich ein Programm des Naturparks Steirische Eisenwurzen. Die geologischen Spuren der Region lassen sich über geführte Touren entlang des GeoPfads zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf einer Raftingtour entdecken. Der Weg vermittelt auf 32 Stationen einen Eindruck von der Vielfalt der geologischen Vorgänge, die zur Bildung der Gesteine und zur heutigen Landschaft geführt haben und zeigt Naturdenkmäler der Region. Im GeoZentrum, einem geologischen Museum im Gemeindeamt von Gams, zeigt eine Ausstellung 250 Millionen Jahre regionale geologische Geschichte. Im Nationalpark Pavillon Gstatterboden befindet sich eine geologische Dauerausstellung. In der Geowerkstatt kann man unter Anleitung Fossilien sammeln und unter dem Mikroskop beobachten. Die Funde werden geschnitten, geschliffen und poliert und damit zu Andenken, die man mitnehmen kann. Die Wasserlochklamm Palfau, das Wasserleitungsmuseum Wildalpen und der Wasserspielpark für Kinder in St. Gallen runden das Erlebnisangebot ab. Beworben wird Geoline über Informationsmaterialien und eine Homepage. Im Rahmen der ORF-Reihe „Universum“ wurde eine Dokumentation zum geologischen Erbe der steirischen Eisenwurzen ausgestrahlt.
Im Geopark arbeiten WissenschafterInnen des Naturhistorischen Museums und der russischen Akademie der Wissenschaften. Dies garantiert einerseits eine Qualitätskontrolle am aktuellen Stand der Wissenschaft und hilft der Wissenschaft in der Popularisierung ihres Forschungsgebiets. Informationen: http://www.geoline.at

TechnoPol Niederösterreich

Technopole    sind    technologisch- ökonomische Zentren, die gezielt rund um anerkannte Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen aufgebaut werden. An den drei Standorten in Niederösterreich wird das lokale wissenschaftliche und betriebliche Know How in gemeinsamen Projekten gebündelt.
In Krems liegt die Schwerpunktsetzung im Bereich der Biomedizin und Dienstleistungen für den Gesundheitssektor. In Tulln wird sowohl im Bereich der Umwelt- und Agarbiotechnologie intensiv zur Entwicklung biotechnischer Verfahren im Pflanzen-, Tier- und Umweltbereich gearbeitet und geforscht. Im Zentrum steht das Interuniversitäre Department für Agarbiotechnologie (IFA Tulln). Die erforderliche Fachausbildung bietet die Fachhochschule Wiener Neustadt in ihrem Studiengang „Biotechnische Verfahren“ in Tulln. Für Betriebsansiedlungen stellt der Techno-Park Tulln aufgeschlossene Flächen zur Verfügung. Seit 2005 stehen auch Büro- und Laborflächen für Ansiedlungen, Spin-offs und Start-up Unternehmen zur Verfügung. In Wiener Neustadt hat sich schon über das letzte Jahrzehnt ein sehr bedeutender Technologiestandort entwickelt. Die unterschiedlichen Ausrichtungen der Forschungseinrichtungen, in deren Mittelpunkt Produktionsverfahren wie auch innovative Produkte stehen, wurden unter dem Begriff „Moderne industrielle Technologien“ zusammengefasst. Im Mittelpunkt stehen die Bereiche Mikrosystemtechnik, Oberflächentechnologie und Medizinische Systemtechnik. Der Großteil der Forschungen findet „unter einem Dach“, im Technologie- und Forschungszentrum (TFZ) statt.
Informationen: http://www.ecoplus.at/ecoplus/d/ECO_R10.htm


Bibliotheken, Kultureinrichtungen, Museen

Kooperation mit Bibliotheken

Bibliotheken gehören zu den zentralen Lernorten der Literatur- und Kulturversorgung. Sie sind flächendeckend vorhanden, in fast jeder Gemeinde gibt es eine Bibliothek. Dabei haben sie in den vergangenen Jahren einen umfassenden Wandlungsprozess unternommen und verstehen sich heute als Zentren der Information und Bildung mit einer bedeutenden sozial-integrativen Funktion.
Dabei verbinden sie die Funktionen als Kulturorte, Bildungsorte, Informationsorte und Sozialintegrative Zentren. Sie bieten den BürgerInnen freien Zugang zu kulturellem Wissen und Aktivitäten. Ihr Angebot umfasst Literatur, Zeitschriften, audiovisuelle Medien und Spiele. Gerade im Bereich neuer Medien kommt ihnen eine wichtige Rolle in der Vermittlung und dem Umgang mit neuen Medien zu. Sie arbeiten bei der Förderung der Kulturtechnik Lesen mit Kindergärten und Schulen zusammen, kooperieren mit Organisationen, die persönliche oder berufliche Aus- und Weiterbildung betreiben und erschließen Zugänge zum vielfältigen Angebot der modernen Informationstechnologien. Schließlich sollen sie als sozial-integrative Orte die Menschen ihres Einflussbereichs zusammenbringen. Großprojekte wie die neue Wiener Stadtbibliothek oder der Linzer Wissensturm sind beispielgebend auch für wesentlich schmäler dimensionierte Vorhaben, wie sie in ländlichen Regionen vorstellbar sind. Bibliotheken sind für LERNENDE REGIONEN in mehrerlei Hinsicht interessant:

  • als Bildungseinrichtungen und NetzwerkpartnerInnen.
  • Als Orte, die den sozialen Austausch und die Gemeinschaft pflegen und daher ideal sind, um Bildungsinteressierte auf LERNENDE REGIONEN aufmerksam zu machen.
  • als Veranstaltungsorte für Projekte der LERNENDEN REGION.

Regionale Kultureinrichtungen und Initiativen

Über das ganze Land verstreut findet sich eine breite Palette an interessanten Kulturinitiativen, die sich als KooperationspartnerInnen für LERNENDE REGION ideal eignen. Die meisten sind in der Region bekannt. Ein zusätzlicher Überblick lässt sich über das Mitgliederverzeichnis der IG Kultur gewinnen (siehe http://igkultur.at/igkultur/mitglieder).

Museen

Der immer wieder überraschende kulturelle Reichtum lässt sich bei den regionalen Museen zeigen. Diese ermöglichen gewinnbringende Einblicke in die Geschichte und Kultur einer Region.
Museen sind öffentlich zugängliche Institutionen, die – abhängig von der Größe – die Aufgaben Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln erfüllen. Dabei lassen sich verschiedene Typen von Museen unterscheiden, unter anderem:

  • Kunstmuseen, Galerien
  • Naturkundliche und technische Museen
  • Vor- und frühgeschichtliche, archäologische und historische Museen  
  • Kunsthistorische Museen
  • Regional- und Heimatmuseen, Volkskundemuseen
  • Freilichtmuseen
  • Kindermuseen

Sie können als Landes- oder kommunale Museen von der öffentlichen Hand getragen werden oder sich in privater Trägerschaft befinden.
Als Wissensspeicher und Vermittler sind Museen auch potentielle Partner von LERNENDEN REGIONEN. Dabei bieten sich zahlreiche Anknüpfungspunkte an:

  • Wanderausstellungen, Vermittlung von Museen bei öffentlichen Events,
  • als Veranstaltungsorte,
  • als Multiplikatoren der Inhalte der LERNENDEN REGION,
  • als Informations- und ExpertInnenpools,
  • als Teil einer umfassenderen Bildungskampagne (über gemeinsame Veranstaltungen, Eintrittskarten-Verbünde,...).

Museen sind zwangsläufig Bildungseinrichtungen. Dabei bilden sie nicht vorrangig, sondern er- möglichen Bildung. Der Besucher kann selbst entscheiden, wann er kommt und geht und die Ausstellung in seinem eigenen Tempo erkunden. Daher steht von Seiten des Museum stets der unterhaltende Aspekt im Vordergrund. Dabei lässt sich jedoch oftmals nicht unmittelbar auf die Bedürfnisse des/der jeweiligen Besuchers/Besucherin eingehen. Differenzierte Angebote nach Besuchsgruppen werden zwar in manchen Museen erarbeitet, finden jedoch oftmals nur in eigenen Kinderprogrammen ihren Niederschlag. Dabei kann es sich um Ferienangebote, spezielle Veranstaltungen und Kataloge oder überhaupt eigene Kindermuseen handeln.

Regionale Museumskooperation

Austausch von Ideen, Problemen, Kenntnissen und Programmen, aber auch Information über die tägliche Arbeit können bei Treffen von Arbeitsgruppen erfolgen. Es sollte in jedem Fall die Mehrzahl der regionalen Museen im Netzwerk sein und auch tatsächlich an den Veranstaltungen teilnehmen. Möglichkeiten einer solchen Zusammenarbeit können sein:

  • Restaurationshilfen: Hier können große Museen kleineren Hilfestellungen geben
  • Leihgaben
  • Wanderausstellungen und Veranstaltungen

Museen gewinnen in erster Linie durch ein wechselndes Angebot in Verbindung mit einer Dauerausstellung an Attraktivität. Dies kann durch Sonderaustellungen, Vorträge, Führungen und vielfältigen andere Aktivitäten erfolgen.